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Die sexuelle Ausbeutung von philippinischen Kindern im Internet

Unter den Problemen, die seit Beginn der Corona-Pandemie im letzten Jahr aufgetreten sind, ist die sexuelle Ausbeutung von philippinischen Kindern im Internet das dringlichste, vor dem die Hilfsorganisation PREDA auf den Philippinen derzeit steht. Immer mehr Kinder, die Opfer von sexuellem Missbrauch und Ausbeutung im Internet geworden sind, finden seit letztem Jahr Zuflucht in den PREDA Kinderschutzzentren in Zambales.

Was ist sexuelle Ausbeutung im Internet?

Sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet, oder Online Sexual Exploitation of Children (OSEC) ist "die Erstellung von visuellen Darstellungen (z.B. Fotos, Videos, Live-Streams etc.) des sexuellen Missbrauchs oder der sexuellen Ausbeutung von Minderjährigen zwecks Veröffentlichung oder Online-Übertragung für dritte Personen, die physisch nicht anwesend ist, im Austausch für eine finanzielle Gegenleistung". (IJM,2020) Diese Art des Kindesmissbrauchs gibt es seit vielen Jahren auf den Philippinen. Im Jahr 2009 berichtete das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen UNICEF, wie dort das Anbieten von Kinderpornografie im Internet zu einem Geschäft geworden ist.

Das Geschäft wächst ständig!

Wie das Geschäft im Laufe der Jahre auf den Philippinen drastisch wuchs, zeigt eine Studie der Menschenrechtsorganisation International Justice Mission (IJM). Innerhalb von drei Jahren (2014 - 2017) hat sich die geschätzte Prävalenzrate der sexuellen Ausbeutung von Kindern im Internet mehr als verdreifacht. Das südostasiatische Land ist jetzt ein globaler Hotspot für dieses Verbrechen. Weltweit ist es jetzt die größte bekannte Quelle von Materialien sexueller Ausbeutung von Kindern im Internet (English: Child Sexual Exploitation Materials /CSEM), so die IJM Studie von 2020.

Wie PREDA sind auch andere zivilgesellschaftliche Organisationen und Kinderrechtsgruppen auf den Philippinen über Berichte alarmiert, die die drastische Zunahme der sexuellen Ausbeutung von Kindern im Internet belegen. Mehr als 27.000 Meldungen über verdächtige Transaktionen in Bezug auf sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet wurden von der philippinischen Regierungsbehörde Anti-Money Laundering Council (AMLC) von Januar bis Juni 2020 erfasst. Laut der Commission on Human Rights (CHR) sind dies mehr als das 2,5-fache der Anzahl der Berichte, die für das gesamte Jahr 2019 (10.627) erfasst wurden. Das Justizministerium teilt noch gravierendere Zahlen mit: Vom 1. März bis zum 24. Mai 2020 gab es auf den Philippinen 279.166 Tausend Fälle von sexuellem Missbrauch von Kindern im Internet, im Vergleich zu 76.561 Fällen im gleichen Zeitraum des Jahres 2019.

Online-Sexualstraftäter nutzen die Pandemie aus!

Online-Sexualstraftäter nutzen aktuell die Situationen aus, die durch die Quarantänemaßnahmen gegen die Covid-Pandemie entstanden sind. Sie haben es leichter, sich an Kindern und Jugendlichen zu vergreifen, die nun mehr Zeit im Internet verbringen. Inmitten der sich verschlechternden wirtschaftlichen Situation - viele Familien haben aufgrund des Arbeitsstopps Schwierigkeiten, über die Runden zu kommen - greifen mehr Menschen darauf zurück, Kinder - oft aus der eigenen Familie- online anzubieten. Laut UNICEF werden bei OSEC-Aktivitäten bis zu 100 Dollar (etwa 5.000 Php) pro Übertragung gezahlt, was fast dem Lohn von 10 Tagen eines Mindestlohnempfängers auf den Philippinen entspricht.

Neben Armut treibt die Fähigkeit der Filipinos, in englischer Sprache zu kommunizieren, die anhaltende sexuelle Ausbeutung von Kindern im Internet voran. Es gibt auch die irrige Vorstellung, dass keine Gewalt ausgeübt wird, solange die Täter die Körper der Kinder nicht berühren.

Die Nachfrage nach Missbrauch im Internet steigt!

IJM stellt fest, dass die Nachfrage nach CSEM derzeit immens ansteigt, sowohl bei legalen Internetseiten als auch im illegalen Bereich. "Die Anzahl der Berichte aus der Öffentlichkeit an Strafverfolgungsbehörden und Hotlines nehmen zu. In Spanien zum Beispiel ist die Zahl der Berichte deutlich gestiegen und in Dänemark hat sich die Zahl der Online-Durchsuchungen zum Zugriff auf illegale Websites verdreifacht. Isolierte und "gelangweilte" Straftäter, die ihr zunehmendes Interesse am Bilderhandel in Online-Gemeinschaften von Straftätern bekunden, nehmen anscheinend zu." so IJM.

Die steigende Nachfrage treibt den zunehmenden Missbrauch von Kindern voran. Berichten zufolge hat sich das Problem auch verschlimmert, da die Kunden verlangen, Kinder nicht nur online nackt, sondern auch in körperlich sexuellen Übergriffen zu sehen. Laut UNICEF gibt es Videos von philippinischen Kindern, die "sexuell missbraucht, vergewaltigt, gefoltert, geschlagen und sogar zu Tode gewürgt werden".

Die UNICEF-Vertreterin auf den Philippinen, Oyunsaikhan Dendevnorov, beschreibt die schwerwiegenden Langzeitfolgen des Verbrechens: "Kinder, die online sexuell missbraucht wurden, zeigen Verhaltensweisen, die sie dazu veranlassen, sich sozial zu isolieren. Das Kind hat kein Interesse an der Schule und an Freunden. Ein geringes Selbstwertgefühl, Traumata und Albträume sind ebenfalls Anzeichen, die zu beachten sind." Wenn diese Symptome unbehandelt bleiben, können sie zu psychischen Problemen, Selbstmord, Alkoholmissbrauch und Abhängigkeit von illegalen Drogen führen, so Dendevnorov.

Wie kann Online-Missbrauch verhindert werden?

Gesetze haben viele Lücken, die die Strafverfolgung von sexueller Ausbeutung von Kindern im Internet (OSEC) erschweren, berichtet Child Rights Network (CRN), ein Zusammenschluss von Organisationen, die sich für eine Kinderrechtsgesetzgebung auf den Philippinen einsetzen. Dazu gehört das Fehlen klar definierter Regeln, die die Pflichten von sozialen Mediennetzwerken (z. B. Facebook und Twitter), Internetcafés/Kiosken oder Vermietern von Geschäftsräumen, Banken, Geldüberweisungszentren und Kreditkartenunternehmen in Bezug auf die Beendigung von OSEC-Aktivitäten beschreiben.

Nach dem Gesetz Anti-Child Pornography Act of 2009 müssen alle Internet-Service-Providers (ISP) innerhalb von sieben Tagen nach Entdeckung die zuständigen Regierungsbehörden über jede Form von OSEC informieren, die über ihre Server oder Einrichtungen begangen wird. Das gleiche Gesetz darf aber nicht so ausgelegt werden, dass ein ISP verpflichtet ist, den Inhalt der Kommunikation eines Nutzers, Teilnehmers oder Kunden zu überwachen.

Abschnitt 9 dieses Gesetzes schreibt auch vor, dass alle ISPs "verfügbare Technologien, Programme oder Software installieren müssen, um sicherzustellen, dass der Zugang zu oder die Übertragung jeglicher Form von Kinderpornografie blockiert oder gefiltert wird". Als Strafe verlangt das Gesetz die Zahlung von Bußgeldern (ca. 9.000.00 € bis 35.700€).

Es gibt nun Bestrebungen im Kongress, dieses Gesetz zu überarbeiten, sagt PREDA Mitbegründer Pater Shay Cullen. Er ist besorgt, dass die Bestimmungen des Gesetzes, die Internet-Service-Providers zur Installation von Kinderpornografie-Sperrsoftware verpflichten, bei der Neugestaltung des Gesetzes entfernt werden könnte.

Pater Shay Cullen beschwert sich über die Tatsache, dass ISPs und Telekommunikationsunternehmen auf den Philippinen nur eine kleine Geldstrafe zahlen, anstatt das Gesetz zu befolgen und Sperr-Software zu installieren, um Kinderpornografie abzufangen und zu stoppen. Sie sollen höhere Bußgelder bezahlen, meint er: eine Million Pesos pro Tag, bis sie den Beweis erbringen, dass sie sich an das Gesetz halten.

Gemeinsam mit internationalen Nichtregierungsorganisationen führt PREDA nun eine Kampagne durch, um ausländische Telekommunikationsunternehmen dazu zu bewegen, ihre Partnerschaft mit Internet Service Providern auf den Philippinen zu beenden, die sich nicht an das Gesetz gegen Kinderpornografie (RA 9775) halten. Pater Shay Cullen appelliert an internationale Kinderrechtsverteidiger, diese Kampagne zu unterstützen und die Telekommunikationskonzerne in ihren jeweiligen Ländern aufzufordern, ihre Partner-ISPs auf den Philippinen zu mehr Ethik und Gesetzestreue anzuhalten.

 

Hier die aktuelle Studie der International Justice Mission (IJM) in Zusammenarbeit mit dem Büro des US-Aussenministeriums zur Überwachung und Bekämpfung von Menschenhandel (TIP Office) und dem behördenübergreifenden Rat zur Bekämpfung von Menschenhandel (IACAT) auf den Philippinen:

Studie (englisch): Online Sexual Exploitation of Children in the Philippines: Analysis and Recommendations for Governments, Industry and Civil Society

Studie (Zusammenfassung deutsch): „Sexuelle Ausbeutung von Kindern auf den Philippinen im Internet: Analyse und Empfehlungen für Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft"

 

Literatur

http://chr.gov.ph/child-rights-advocates-urge-govt-public-dont-forget-child-victims-of-online-sexual-abuse-exploitation-amid-pandemic/

http://chr.gov.ph/statement-of-chr-spokesperson-atty-jacqueline-ann-de-guia-on-the-national-awareness-week-for-the-prevention-of-child-sexual-abuse-and-exploitation/

www.unicef.de/informieren/aktuelles/presse/2009/stoppt-sexuelle-ausbeutung/34152

ijm-deutschland.de/stories/warum-die-online-ausbeutung-von-kindern-jetzt-zunimmt

www.philstar.com/opinion/2020/01/27/1988025/osec

globalnation.inquirer.net/190923/unicef-pandemic-worsening-child-online-sexual-abuse-exploitation-in-ph

www.preda.org/fr-shays-articles/can-president-duterte-make-the-isps-obey-the-law/

https://lawphil.net/statutes/repacts/ra2009/ra_9775_2009.html

www.philstar.com/headlines/2021/01/11/2069591/house-bill-filed-strengthening-laws-vs-online-child-porn