PREDA - gemeinsam für Schutz und Perspektiven für Kinder in Not

Die Kinderschutzorganisation PREDA (People’s Recovery, Empowerment and Development Assistance) wurde 1974 von dem irischen Priester Pater Shay Cullen auf den Philippinen gegründet. Seit 1998 arbeitet Tatort – Straßen der Welt e.V. eng mit PREDA zusammen, um Kinderrechte zu stärken und Schutzräume für gefährdete Kinder zu schaffen. 

Im PREDA-Kinderschutzzentrum finden Mädchen, die Opfer häuslicher Gewalt oder sexuellen Missbrauchs wurden, und Jungen, die aus Haftanstalten befreit wurden, ein sicheres Zuhause. Neben liebevoller Betreuung und Therapie erhalten sie Zugang zu schulischer und beruflicher Bildung, um den Grundstein für ein selbstbestimmtes Leben zu legen.

Von 2007 bis 2014 unterstützte Tatort – Straßen der Welt e.V. den Bau des Mädchen- und Jungenhauses finanziell. Dieses Projekt hat PREDA dabei geholfen, seine Kapazitäten zu erweitern und noch mehr Kindern einen geschützten Ort zu bieten. 

Über 200 Kinder finden bei PREDA ein neues Zuhause

Im Jahr 2025 wurden in den drei PREDA-Schutzeinrichtungen insgesamt 218 Kinder und Jugendliche betreut: 109 Mädchen im Girls’ Home, 64 Jungen im Bukang-Liwayway Center in Castillejos/Zambales und 45 Jungen im New Dawn Home in Liloan/Cebu.

Bei PREDA arbeiten aktuell 48 MitarbeiterInnen in der Verwaltung und Betreuung der Kinder. Seit Januar 2021 ist Francis B. Bermido Jr. der Präsident der PREDA-Stiftung. Pater Shay Cullen, der Gründer von PREDA, Vize-Präsident.

Für Gerechtigkeit und Heilung

Kinder, die sexualisierte Gewalt erlebt haben, brauchen mehr als Schutz, sie brauchen Gerechtigkeit. Auf den Philippinen dauern viele Gerichtsverfahren Monate, manchmal sogar Jahre. Immer wieder werden Anhörungen verschoben, Richter:innen sind überlastet, und es fehlt an Ressourcen. Für die betroffenen Kinder bedeutet das ein verlängertes Leiden. So ist das Familiengericht in Macabebe mit einer Vielzahl an Fällen vollkommen überlastet. PREDA setzt sich auch dafür ein, ein weiteres Gericht einzurichten, wie es in anderen Regionen bereits erfolgreich umgesetzt wird. 

„Erst wenn die Wahrheit ans Licht kommt und Täter zur Rechenschaft gezogen werden, kann der Heilungsprozess wirklich beginnen.“ Pater Shay Cullen, Gründer von PREDA

Denn Gerechtigkeit ist mehr als ein Urteil, sie gibt Kindern ihre Würde zurück. Und sie schützt andere davor, Opfer zu werden.

Allein in 2025 konnte PREDA in 24 Fällen erfolgreiche Verurteilungen erreichen. Gleichzeitig berichtet PREDA aber auch weiterhin von erheblichen Schwierigkeiten bei der Strafverfolgung, darunter nicht vollstreckte Haftbefehle, nicht festgenommene Tatverdächtige und Verzögerungen bei Gerichtsverfahren.

Portrait von Mariel: Mut, Schutz und ein neuer Anfang

Am 10. August 2022 kam Mariel (Name geändert) in das Kinderschutzzentrum der Preda Foundation für missbrauchte Mädchen. Über Jahre hinweg hatte sie sexuelle Gewalt durch ihren eigenen Vater erlitten. Die Folgen waren schwer, doch mit der Aufnahme bei Preda begann für sie ein neuer Abschnitt. In den therapeutischen Programmen der Preda Foundation fand Mariel Halt, Unterstützung und Schritt für Schritt den Mut, über das Erlebte zu sprechen.

Gestärkt durch diese Begleitung entschied sie sich, Anzeige gegen ihren Vater zu erstatten. Dieser wurde später gefasst und vor Gericht gebracht. Mariel war bereit, auszusagen. Die emotionale Traumatherapie hatte ihr die Kraft gegeben, für sich selbst einzustehen und diesen Schritt zu gehen. Im Oktober 2025 verurteilte das Regionalgericht in Dinalupihan, Bataan, den Täter wegen Vergewaltigung. Das Gericht verhängte eine Freiheitsstrafe über zwölf Jahren und Mariel eine Entschädigung von 60.000 philippinischen Pesos zu. Für Mariel war dies ein wichtiger Moment der Gerechtigkeit. Mit Unterstützung der Preda Foundation besucht sie heute das College. Gleichzeitig hat sie in der Preda Youth Group eine neue Ausdrucksform gefunden. Als Mitglied einer siebenköpfigen Theatergruppe tourte sie 2025 zwei Monate lang durch Deutschland und Österreich. Ihre Geschichte steht für Mut, Heilung und die Möglichkeit, das eigene Leben zurückzuerobern.

Wir durften die Preda Youth Group am 16. Oktober 2025 bei uns in Köln willkommen heißen und die beeindruckende Aufführung des Drama-Musicals “Once we had a dream” live erleben.  

Ein Ort der Sicherheit für Kinder mit traumatischen Erfahrungen

Das 2014 eröffnete Mädchenschutzzentrum bietet Platz für bis zu 100 Mädchen, die aus Zwangsprostitution befreit wurden oder Missbrauch in der Familie erfahren mussten. Derzeit sind 67 Mädchen in Wohngruppen untergebracht. Zusätzlich stehen Räume für Therapie, Gruppenaktivitäten und Unterricht zur Verfügung. 

Das Jungenschutzzentrum wurde bereits 2010 gegründet und bietet Jungen, die aus Gefängnissen befreit wurden, eine neue Perspektive und einen Zufluchtsort. Die Errichtung des Zentrums wurde unter anderem mit Spenden des Tatort-Vereins  ermöglicht. Seit Vereinsgründung 1998 unterstützt der Tatort-Verein dauerhaft die Arbeit von PREDA in den Schutzzentren. 

Ganzheitliche Betreuung für neue Perspektiven

PREDA setzt auf eine ganzheitliche Betreuung, die den Kindern Schutz, Heilung und neue Perspektiven bietet. Diese beinhaltet:

  • Psychologische und pädagogische Unterstützung, um Traumata zu bewältigen.
  • Medizinische Versorgung, um die Gesundheit der Kinder sicherzustellen.
  • Rechtsbeistand, um Täter zur Verantwortung zu ziehen.
  • Bildungsangebote und handwerkliche Ausbildung, die den Weg in die Eigenständigkeit ebnen.

Ein wichtiger Bestandteil der PREDA-Arbeit ist die Wiederherstellung familiärer Bindungen. Durch regelmäßige Telefonate, begleitete Hausbesuche und Familientage wird die Beziehung zwischen den Kindern und ihren Familien gestärkt. Auch nach der Rückkehr in ihre Familien bleibt PREDA weiterhin an ihrer Seite, um eine nachhaltige Reintegration zu sichern.

2025 konnten 39 Mädchen wieder in ihre Familien reintegriert werden. Für ehemalige Bewohnerinnen endet die Unterstützung damit nicht. 54 Mädchen erhielten im Rahmen der Nachsorge Bildungsunterstützung und 44 von ihnen konnten wieder zur Schule gehen. 

Auch im Jungenschutzzentrum in Cebu spielt die Nachsorge eine wichtige Rolle. 2025 wurden dort 88 Nachsorge-Begünstigte begleitet. Die Unterstützung umfasst unter anderem die Begleitung der persönlichen Entwicklung sowie den Kontakt zu Familien und Schulen.

Bildung eröffnet neue Chancen

Über die Arbeit in den Schutzzentren hinaus unterstützt PREDA mehr als 100 Stipendiat:innen:

  • Nachsorge-Stipendien für ehemalige Heimkinder, die bereits reintegriert wurden.
  • Gemeindestipendien, um Kindern aus armen Familien Bildungschancen zu ermöglichen, auch wenn sie nie in den PREDA-Heimen lebten.

Im Studienjahr 2025/26 25 junge Menschen aus Aeta-Gemeinschaften durch ein Stipendienprogramm unterstützt.

Bildung ist dabei ein wichtiger Bestandteil nachhaltiger Reintegration. Sie eröffnet Kindern und Jugendlichen die Möglichkeit, ihre Ausbildung fortzusetzen, berufliche Perspektiven zu entwickeln und langfristig ein selbstbestimmtes Leben aufzubauen.

Prävention: Kinder schützen, bevor etwas passiert

PREDA arbeitet nicht nur mit Kindern, die bereits Opfer von Gewalt oder Ausbeutung geworden sind. Ein wichtiger Teil der Arbeit liegt in der Prävention. Im Jahr 2025 führte PREDA über 90 Aufklärungsveranstaltungen und Workshops durch. Davon fanden 80 an Schulen und 13 in Gemeinden statt. Es wurden über 5.500 Kinder, 1.000 Eltern und 800 Multiplikatoren erreicht. 

Die Veranstaltungen informieren über Kinderrechte, den Schutz vor Gewalt und Ausbeutung sowie darüber, wo Kinder und Familien Hilfe erhalten können. Die Wirkung der Präventionsarbeit zeigte sich unmittelbar: Drei Kinder suchten nach Veranstaltungen aktiv Unterstützung.

Wanderausstellung „Kinder hinter Gittern“ - Das Schicksal philippinischer Gefängniskinder

Um auf die erschütternden Lebensrealitäten der Gefängniskinder auf den Philippinen aufmerksam zu machen, haben wir die Wanderausstellung „Kinder hinter Gittern“ konzipiert. Die Ausstellung zeigt eindrucksvolle Fotografien, die das Schicksal dieser Kinder dokumentieren.

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Das traurige Schicksal der Gefängniskinder auf den Philippinen

Auf den Philippinen liegt die Strafmündigkeit von Kindern und Jugendlichen bei 15 Jahren. Doch diese Regel wird von den Behörden häufig umgangen: Selbst jüngere Kinder werden wegen Bagatelldelikten wie Herumlungern oder kleineren Diebstählen festgenommen. Besonders betroffen sind Jungen aus armen Familien. Sie verbringen oft viel Zeit auf der Straße, da ihre winzigen Unterkünfte in den Armutsvierteln überfüllt sind, sie vor häuslicher Gewalt fliehen oder ihnen der Schulbesuch verwehrt bleibt.

Von den Behörden aufgegriffen, landen die Kinder in gefängnisähnlichen Jugendstrafanstalten. Dort werden sie oft monatelang oder sogar jahrelang festgehalten – ohne Rechtsbeistand, unter unmenschlichen Bedingungen. Misshandlungen und Missbrauch durch Mitgefangene oder Wärter gehören zum traurigen Alltag. Diese Kinder erleben extreme Isolation, Hunger und Gewalt, die ihre ohnehin schwierige Lebenssituation weiter verschlimmern.

Pater Shay Cullen und sein Team setzen sich unermüdlich für diese Kinder ein. Sie besuchen regelmäßig die Gefängnisse und versorgen die Kinder mit Lebensmitteln, Medikamenten und Kleidung. Ihr Engagement gibt den Gefangenen Hoffnung und zeigt ihnen, dass sie nicht vergessen sind.

Befreite Kinder erhalten in den PREDA Schutzzentren eine zweite Chance. Hier erleben sie zum ersten Mal seit langer Zeit wieder Lebensfreude und Sicherheit. Sie besuchen die Schule, erhalten therapeutische Unterstützung und können ihre traumatischen Erlebnisse verarbeiten. In einer geschützten Umgebung gewinnen sie neue Perspektiven und die Möglichkeit, ein selbstbestimmtes Leben zu führen.

„Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben in diesen Höllenlöchern. Die Kleinsten, 12- oder 13-Jährige, und Jüngere werden geschlagen, unterdrückt und sexuell missbraucht. Das ist die Realität, die die Politiker nicht sehen wollen." (Pater Shay Cullen)

Ausbildungsprogramm TESDA

2019 startete PREDA gemeinsam mit der staatlichen Behörde TESDA (Technical Education and Skills Development Authority) ein Berufsausbildungsprogramm für die Jungen. Die angebotenen Schulungen ermöglichen den Jungen ab 15 Jahren, eine positive Einstellung zu Arbeit, Industrie und Produktivität zu entwickeln. Sie erwerben innerhalb des Programmes Fähigkeiten wie etwa Schweißen, Schreinern oder Haare schneiden und können auch eine Ausbildung in diesen Disziplinen absolvieren. Auch Autofahren können die Jugendlichen erlernen. 

Die Trainingseinheiten finden drei Monate lang an vier Tagen in der Woche auf dem Gelände von PREDAs Jungenschutzzentrum statt. Die erworbenen Fähigkeiten werden direkt vor Ort praktisch eingesetzt. So wurden in der Vergangenheit etwa bewegliche Wäschetrockner, eine Schaukel oder ein Fenstergitter innerhalb der Schweißausbildung hergestellt. 

Die von TESDA angebotene NC2-Prüfung am Ende der Ausbildung kann die Jungen für ein Berufszertifikat für Anfänger qualifizieren. Das langfristige Ziel besteht darin, die Jungen wieder in ihre Familien zu integrieren. Dafür werden sie von einem PREDA-Mitarbeiter bei der Suche nach Jobs unterstützt. Im Idealfall kann ein Job das Einkommen der Familie erhöhen und somit verhindern, dass diese Kinder erneut in Konflikt mit dem Gesetz geraten.

Marlyn Capios Geschichte

Marlyn Capios dramatische Lebensgeschichte ist die Grundlage für den „Tatort Manila": Als Marlyn 10 Jahre alt ist, wird sie von ihrem Stiefvater vergewaltigt. Drei Jahre später flieht sie zu einer Freundin und lebt daraufhin auf der Straße. Von Kinderhändlern wird sie in einer Sexbar zur Prostitution gezwungen und danach mit gefälschten Papieren nach Deutschland gebracht, wo sie missbraucht und misshandelt wurde. Nach drei Monaten kommt Marlyn zurück nach Manila und lebt weiter als Kinderprostituierte auf der Straße. Dort wird sie von SozialarbeiterInnen aufgegriffen und ins PREDA Mädchenschutzzentrum gebracht. Sie besucht wieder die Schule, macht ihren Abschluss und absolviert mithilfe eines Stipendiums des Tatort-Vereins ein Studium als Sozialarbeiterin. Von da an unterstützte sie die Kinderrechtsarbeit von PREDA, leitete auf den Philippinen hunderte Strafverfahren gegen Kinderschänder ein und hielt auf der ganzen Welt gemeinsam mit Shay Cullen Vorträge über ihre Arbeit. Weiterhin schulte sie HotelmitarbeiterInnen, woran sie Sextouristen unter ihren Gästen erkennen, sowie unter anderem Eltern, Lehrer und Polizisten, warum die Mädchen vor Zuhältern geschützt werden müssen.

Bis 2021 leitete sie das PREDA-Mädchenhaus und war für oft verdeckt in Krisengebieten, Bars und im Rotlichtmilieu unterwegs. Bei ihrer Arbeit konnte sie eine Vielzahl an sexuell ausgebeuteten Mädchen aus der Prostitution retten.

Weitere Informationen finden Sie hier: 

Filmreportage: Marlyns Kampf gegen die Kinderprostitution

Deutsche Welle: „Es gibt noch viele Marlyns" 

Brigitte Reportage: Es ist nicht vorbei    

Deutsche Welle: Schwerer Kampf gegen die Kinderprostitution

Weitere regelmäßige Infos über PREDA und deren Arbeit erfahren Sie im Newsletter von Pater Shay Cullen. Die englische Originalversion finden Sie unter Latest Article's By Shay Cullen