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20 Jahre Tatort – Straßen der Welt e.V.

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Stand 28.04.2020: Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Wanderausstellung "Kinder hinter Gittern" auf das nächste Jahr verschoben. Bei Interesse können Sie gerne Kontakt zu uns aufnehmen (kontakt@tatort-verein.org). Dann werden Sie zeitnah informiert! Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Aktueller Appell von Father Shay, 17.04.2020: Befreiung der inhaftierten Kinder, bevor sie sterben

Fr. Shay Cullen, 17 April 2020

Wir alle spüren die Einschränkung des Hausarrests durch die Coronavirus Beschränkungen, die nun erstmal auch so fortgesetzt werden sollen. Wir können nicht gehen, wohin wir wollen, also denken wir an die Gefangenen, die zu Unrecht jahrelang inhaftiert sind. Viele von ihnen sind politische Gefangene und Menschenrechtsaktivisten, die wie Tiere gefangen gehalten werden, wie die, die am meisten leiden - die Kinder hinter Gittern. Alle sind vom Coronavirus bedroht.

Viele Tausende sind inhaftiert ohne, dass Beweise gegen sie vorliegen und ohne, dass sie angeklagt werden. Viele werden wegen nicht schwerwiegender Vergehen inhaftiert. Das Coronavirus bringt sie in ernste Gefahr, einen schmerzhaften und verzweifelten Tod zu erleiden. Sie sterben keuchend an langsamer Erstickung, allein, verlassen, ohne Hilfe, unbekannt, isoliert und nicht gemeldet, als hätte es sie nie gegeben.

Die Kinder sind am verwundbarsten, da sie durch Unterernährung geschwächt sind, von Asthma geplagt werden oder an Tuberkulose leiden sowie durch körperlichen und sexuellen Missbrauch geschädigt und verletzt werden. Sie werden unter unmenschlichen Bedingungen eingesperrt. Die meisten schlafen auf Betonböden und unter unmenschlichen Bedingungen. Sie sind ohne Bildung, Bewegung, Sonnenlicht, frische Luft, gutes Essen, medizinische Hilfe, Rechtsbeistand, Unterhaltung, Besucher, ohne Duschen und Toiletten. Es ist eine verzweifelte und gefährliche Situation. Sie müssen sofort befreit werden.

Ich kann enthüllen und beweisen, dass viele von ihnen gefoltert werden. Hier ist ein kleiner Ausschnitt der Beweise für ihre Folterungen und den dazu gehörigen Bildern. Besuchen Sie www.preda.org/gallery/jailed children. Raymond (Name geändert), 13 Jahre alt, ist jetzt im PREDA Heim in Sicherheit. Er ist ein kleiner Junge, einer von vielen, der in Metro Manila von den Tanods (die örtlichen Gemeindewachen) auf der Straße aufgegriffen und im sogenannten Bahay Pagasa (Haus der Hoffnung) eingesperrt wurde. Er lief, wie andere auch, vor einem missbrauchenden, gewalttätigen Vater davon. Er lebte bettelnd auf der Straße. Wie Hunderte von Straßenkindern konnte er sich nirgendwo verstecken und wurde ins Gefängnis gesteckt. Stellen Sie sich vor, Ihr kleiner Junge würde auf diese Weise vom Rechtssystem bestraft.

Auf der Seite sind sechs Bilder gezeichnet. In Raymonds Zeichnung zeigt er die Folterungen und Misshandlungen, die er in der von der lokalen Regierung betriebenen Bahay Pagasa Einrichtung erlitten hat. Die Folter wird so abgebildet wie jene die mutmaßlichen Terroristen angetan wird.

Auf einer einzigen Seite befinden sich sechs Bilder, das erste ist ein Bild von Fliegen auf verdorbenem Essen. Sie aßen schlecht schmeckende, mit Fliegen verseuchte, abgelaufene Lebensmittel aus Dosen. Die Dosen wurden wahrscheinlich von Firmen gespendet. Dann verschwand das Budget des Zentrums für frische Lebensmittel.

Das zweite Bild zeigt Raymond, der gezwungen wurde, auf die Stahlstangen der Zelle zu klettern und dort für schmerzhafte Stunden hängen gelassen wurde, eine grausame Bestrafung. Manchmal wurde er mit einem Gummipantoffel verprügelt. Darunter, auf der linken Seite, ist Raymond zu sehen, wie er mit einem Stock geschlagen und bespuckt wird, als ob er Dreck wäre. Rechts in der Mitte ist eine Zeichnung zu sehen, die zeigt, wie er schläft. Die älteren Jungen, einige erwachsen oder die Wachen schmieren ihm Zahnpasta in die Augen, was zu schmerzhaften Stichen führt, und schlagen ihn mit einem Gummischuh, wenn er sich wehrt.

Auf der rechten oberen Seite der Zeichnung zeigt Raymond, wie er in eine Stahltrommel gesteckt wurde. Woraufhin die anderen auf die Seiten der Trommel einschlagen, um starken Lärm zu verursachen, was wiederum Schmerzen verursacht und sein Trommelfell verletzte und beschädigte. Die untere rechte Seite der Zeichnung zeigt, wie er gezwungen wurde, die schmutzige, verstopfte Toilettenschüssel zu reinigen. Manchmal schläft er auf Metallgittern. Die Bahay Pagasa ist ein Regime grausamer Folter und Kindesmissbrauch und sie ist weit verbreitet. 

Das philippinische System der Strafverfolgung ist sehr schwach, willkürlich, und im Allgemeinen gibt es viel Missbrauch von Autoritäten. Das Gesetz ist dazu da, um zu schützen, nicht um ungerecht zu bestrafen. Ja, die gefährlichen kriminellen Mörder und Vergewaltiger - müssen zum Schutz der Öffentlichkeit inhaftiert werden, aber nicht die Kinder, vor allem nicht, wenn das Coronavirus in der Nähe schwebt. Das ist der große versteckte Skandal der Lokalregierungen - die Folter von Kindern in der Bahay Pagasa. Sie müssen überholt und mit den Richtlinien des Rates für Jugendgerichtsbarkeit und Wohlfahrt (JJWC) in Einklang gebracht werden.

Alvin ist 12 Jahre alt. Seine Zeichnung zeigt, wie er gezwungen wurde, an den Gitterstäben zu hängen und dabei geschlagen wurde. Er wurde an den Füßen aufgehangen, so dass ihm das Blut in den Kopf lief und ihm starke Kopfschmerzen bereitete. Er wurde gezwungen, sich mit ausgestreckten Beinen in einer schmerzhaften Stressposition gegen eine Wand zu stellen, er weinte vor Schmerz. Sein Bild zeigt auch verfaultes Essen. Er wurde auf die Ohren geschlagen und war gezwungen, einen schweren Kasten hochzuhalten, was Schmerzen verursachte. Er musste sich stundenlang in einer Stresshaltung hinknien. In dieser Stresshaltung wurde er angeschrien, beschimpft und mit einem Gummischuh geschlagen.

Es gibt noch viel mehr Kinderopfer, die auf diese Weise gelitten haben und immer noch leiden. Wir müssen unsere Stimme auf jede erdenkliche Weise erheben und ihre unverzügliche Freilassung fordern.

Wie Jesus von Nazareth gesagt hat: Um seine wahren Nachfolger zu sein, müssen wir uns engagieren und handeln, um die Unterdrückten und Gefangenen zu befreien, wie er es tat (Lukas 4,18). Um ein Mitglied der Familie Gottes zu sein, werden wir gefragt werden, wann wir die Gefangenen besucht und ihnen geholfen haben (Matthäus 25,35). Matthäus entlarvte die Folter und das Massaker an den Kindern durch König Herodes (Matthäus 3,16) und er schrieb darüber, wie Jesus seinen Zuhörern sagte, dass die Kinder die Wichtigsten in der Welt sind.

Lassen Sie uns jetzt handeln! Veröffentlichen Sie diesen Artikel auf Ihrem Facebook-Konto und senden Sie ihn an die Menschenrechtskommission unter chrcrc[at]yahoo.com und an den Sekretär Eduardo Año des Ministeriums für Inneres und Kommunalverwaltung unter emano[at]dilg.gov.ph. Bitten Sie ihn, mit der JJWC unter der Leitung des Sekretärs Rolando Bautista vom Ministerium für soziale Wohlfahrt und Entwicklung (DSWD) zusammenzuarbeiten. Die DSWD ist die "führende Sozialschutzbehörde", die die Freilassung alter und kranker Gefangener fordert, so dass auch sie alle in den verschiedenen Bahay Pagasa inhaftierten Kinder freilassen müssen. Dann müssen sie handeln, um die Bahay Pagasa zu schließen, die Häuser der Folter und des Missbrauchs sind, und stattdessen echte Kinderentwicklungszentren bauen. Wenn wir gemeinsam handeln, können wir Veränderungen herbeiführen.

Köln, Pressemitteilung vom 08.04.2020

Tatort - Straßen der Welt e.V. fordert die Freilassung von inhaftierten Kindern auf den Philippinen, um eine Ansteckung mit COVID-19 zu vermeiden

Tatort - Straßen der Welt schließt sich den Forderungen des UN-Menschenrechtsbüro (OHCHR) an, die Gesundheit und Sicherheit von Personen in Haft und anderen geschlossenen Einrichtungen zu schützen, um die COVID-19-Pandemie einzudämmen.

Ulrike Thönniges: "Wir sind besonders besorgt über die Situation von Kindern in Haftanstalten auf den Philippinen. Das Land hat das am stärksten überlastete Justizvollzugssystem der Welt. Es ist völlig unmöglich, in den Gefängnissen und Haftanstalten des Landes soziale Distanzierung für Kinder und junge Erwachsene zu praktizieren."

Thönniges ist Geschäftsführerin des Vereins Tatort - Straßen der Welt, einer Nichtregierungsorganisation in Köln, die sich für benachteiligte Kinder auf den Philippinen einsetzt. Eine ihrer Partnerorganisationen ist die PREDA (People's Recovery, Empowerment and Development Assistance) Stiftung, eine Organisation, die Rehabilitationszentren für Jungen und Mädchen betreibt.

Nach philippinischem Recht sollten Kinder unter 15 Jahren nur dann inhaftiert werden, wenn sie schwerste Verbrechen begangen haben. Zu viele Kinder unter 15 Jahren werden jedoch in überfüllten staatlichen Haftanstalten festgehalten, die häufig wegen ihrer minderwertigen Einrichtungen kritisiert werden. Sozialarbeiter*innen retten Kinder aus diesen Haftanstalten und bringen sie in die Rehabilitationseinrichtungen von PREDA in Zambales, einer Provinz nördlich von Manila.

Pater Shay Cullen, Gründer und Präsident von PREDA, ist sehr besorgt, weil Kinder in staatlichen Haftanstalten leicht mit dem Coronavirus infiziert werden könnten.

Viele Kinder werden ohne Wissen ihrer Familien inhaftiert. Niemand wird wissen, ob sie sterben", sagte Pater Shay.

Thönniges: "Es wird katastrophal sein, wenn eines der Kinder in einer der staatlichen Haftanstalten infiziert wird. Die meisten von ihnen halten sich nicht an die Vorschriften, die die Bereitstellung nahrhafter Mahlzeiten, Kleidung und angemessener Toiletteneinrichtungen fordern. Die meisten haben keine Betten und Kinder müssen auf dem Boden schlafen. Die Anstalten sind größtenteils unterbesetzt, haben keine Ärzt*innen und keine medizinischen Einrichtungen, um auf einen Virusausbruch zu reagieren."

PREDAs Häuser für Jungen und Mädchen in Zambales, die von Tatort - Straßen der Welt unterstützt werden, sind besser ausgestattet und geräumiger als staatlich geführte Haftanstalten. Hier können Kinder an Rehabilitationsprojekten teilnehmen, die von PREDAs Sozialarbeiter*innen und Psycholog*innen durchgeführt werden.

Pater Shay Cullen: "PREDA kann immer noch mehr Kinder aufnehmen, aber staatliche Haftanstalten weigern sich jetzt sie freizulassen."

Thönniges: "Die UN-Menschenrechtskommissarin Michelle Bachelet forderte Regierungsbehörden auf, nach Möglichkeiten zu suchen, um diejenigen freizulassen, die besonders anfällig für COVID-19 sind. Dies sollte auch unterernährte Kinder in Haft einschließen. Sie erinnerte uns treffend an die „zunehmende Zahl von Todesfällen, die bereits in Gefängnissen und anderen Einrichtungen in immer mehr Ländern gemeldet wurden“. In der Tat sollten die Behörden jetzt handeln, um weitere Todesfälle bei Inhaftierten und Mitarbeitern zu verhindern."

Hier ein Eindruck, wie überfüllt die Philippinischen Gefängnisse sind.

Philippinen - „Kinder hinter Gittern“ - Politische Gespräche im BMZ

Father Shay Cullen (l.) und Minister Dr. Gerd Müller

Die gemeinsam von uns und MISEREOR initiierte und durchgeführte Wanderausstellung und Kampagne wurde am 11. September 2019 in Berlin eröffnet.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung nutzten die Vertreter aller Organisationen die Zeit vor Ort, um dieses sehr wichtige Thema in den Blick der Politiker zu rücken.

Herr Dr. Gerd Müller (Bundesentwicklungsminister), Frau Dr. Bärbel Kofler (Beauftragte der Bundesregierung für Menschenrechtspolitik und Humanitäre Hilfe) und Katja Dörner (stellvertretende Fraktionsvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen und Mitglied im Ausschuss für Familie, Senioren, Frauen und Jugend) haben mit unserem Projektpartner Pater Shay Cullen, der die Kinderschutzorganisation PREDA auf den Philippinen gründete und leitet und Dietmar Bär politische Lobbygespräche geführt.

Dietmar Bär, Father Shay Cullen und Katja Dörner
Dietmar Bär, Dr. Bärbel Kofler und Father Shay Cullen

Diese Gespräche wurde in Absprache mit MISEREOR initiiert.

Inhalt der Gespräche war das wichtige Anliegen der PREDA Foundation, eine Kinderrechtskonferenz der Bürgermeister von Metro Manila anzuregen. Es ist geplant, dass der Rat für Jugendwohlfahrt, Jugendjustiz und Jugendfürsorge (Juvenile Justice Welfare Council, JJWC), dessen Vertreter die PREDA Foundation ist, die neuen Bürgermeister beraten wird. Und zwar, über die finanziellen Möglichkeiten, die ihnen von der philippinischen Regierung zur Verfügung gestellt werden, um Jugendeinrichtungen für Kinder in Konflikt mit dem Gesetz zu bauen, die bisher in Gefängnissen untergebracht waren.

Hunderte von Kindern sind derzeit in Metro Manila unter unmenschlichen Bedingungen in Gefängnissen inhaftiert.

Es besteht die Hoffnung, dass die Bundesregierung das Projekt unterstützen kann und die Gespräche haben verschiedene Möglichkeiten dazu aufgezeigt.

Wir danken allen Beteiligten ganz herzlich für die Zeit, die sie sich für Shay Cullen und dessen Anliegen "Kinder hinter Gittern" genommen haben!

Pressekonferenz und Ausstellungseröffnung am 11. September 2019

Das Foto zeigt einen Teil des Planungsteams und Vertreter aller beteiligten Organisationen (von links): Ulrike Thönniges (Tatort-Verein), Dietmar Bär, Lino Cañete (Misereor), Pater Shay Cullen (PREDA), Klaus J. Behrendt, Raffy Lerma (Fotograf), Michael Mondry, Nina Brodbeck und Lydia Hentschel (Misereor)
Pater Shay Cullen (PREDA) und Raffy Lerma (Philippinischer Dokumentarfotograf)

Bei der Pressekonferenz zur Eröffnung der Austellung "Kinder hinter Gittern" in der Galerie Mensing in Berlin war klar: Das ist ein Thema, das es mehr als verdient, in einer Ausstellung gezeigt zu werden!

Gemeinsam mit Misereor und der PREDA Foundation, Inc. haben wir die eindrücklichsten Bilder - entstanden Anfang des Jahres 2019 in den Jugendstrafanstalten von Manila - ausgewählt und zu einer beeindruckenden Ausstellung zusammengestellt.

Kinder hinter Gittern - Eine Fotoausstellung zur Arbeit der Kinderrechtsorganisation PREDA

Blick in die Ausstellung "Kinder hinter Gittern"

Die Wanderausstellung „Kinder hinter Gittern", ein Kooperationsprojekt von Misereor und dem Tatort-Verein, startete am 12. September 2019 in der Berliner Galerie Mensing und war dort bis zum 21. September zu sehen (Friedrichstraße 169, 10117 Berlin, Öffnungszeiten der Galerie: Mo. –Sa. 11.00 –19.00 Uhr).

Seit vielen Jahren unterstützen wir die Arbeit der Kinderrechtsorganisation PREDA (People´s Recovery, Empowerment and Development Assistance Foundation) des irischen Paters und Menschenrechtspreisträgers Shay Cullen. PREDA befreit Kinder aus den Jugendstrafanstalten und gibt ihnen im PREDA-Kinderschutzzentrum ein neues Zuhause.

Die Fotografen Cajus und RaffyAnfang des Jahres besuchten Dietmar Bär, Vorstandsmitglieder des Tatort-Vereins und MISEREOR-Mitarbeitende gemeinsam mit Shay Cullen Jugendstrafanstalten in Manila, um sich vor Ort ein Bild der aktuellen Lage zu machen. Begleitet wurde das Team von dem philippinischen Fotojournalist und Dokumentarfotograf Raffy Lerma (rechts im Bild) und Cajus von Eickels (links im Bild), Fotograf und Vorstandsmitglied des Tatort-Vereins. Dabei sind die eindringlichen Fotos entstanden.

Wir danken der Galerie Mensing ganz herzlich, dass sie ihre Räume im Herzen Berlins für diesen Anlass und guten Zweck zur Verfügung stellen!

Die Bilder werden für weitere Ausstellungen bereit stehen. Wenn Interesse an der Ausstellung besteht, dann bitte eine Info an kontakt[at]tatort-verein.de

Stand 28.04.2020: Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Wanderausstellung auf das nächste Jahr verschoben. Bei Interesse können Sie gerne Kontakt zu uns aufnehmen, dann werden Sie zeitnah informiert! Vielen Dank für Ihr Verständnis.

Das ist die Realität

Die Lage vieler Kinder auf den Philippinen ist alarmierend. Es gilt ein Jugendrecht- und Schutzgesetz, das die Strafmündigkeit auf 15 Jahre festsetzt. Das heißt, philippinische Jugendliche, die 15 Jahren oder jünger sind, dürfen nicht verhaftet werden. Dieses Gesetz wird aber immer wieder umgangen und Kinder schon wegen Bagatelldelikten festgenommen - zum Beispiel wegen Herumlungerns, kleinen Diebstählen, Klebstoffschnüffeln.

Am häufigsten trifft es Jungen aus armen Familien. Sie haben die Schule verlassen, um Geld zu verdienen. Oft erleben Sie zu Hause häusliche Gewalt. Da ihre winzigen Behausungen in den Armutsvierteln überfüllt sind, verbringen die Kinder viel Zeit auf der Straße. Viele Kinder werden wegen kleinerer Diebstähle verhaftet. Aus Hunger stehlen sie Lebensmittel oder Dinge, dies sie schnell verkaufen können. Viele schnüffeln Klebstoff, um sich zu betäuben und kommen auch deswegen hinter Gittern.

Die Kinder landen in gefängnisähnlichen „Jugendstrafanstalten“. Oft werden sie dort monatelang, sogar jahrelang ohne Rechtsbeistand und ohne jede Hoffnung unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert.

„Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben in diesen Höllenlöchern. Die Kleinsten - 12, 13 und jünger - werden geschlagen, unterdrückt und sexuell missbraucht. Das ist die Realität, die die Politiker nicht sehen wollen.“, sagt Father Shay Cullen

Kinder im „Konflikt mit dem Gesetz“ sind die am meisten benachteiligte Randgruppe der Gesellschaft, schon bevor sie auf den Philippinen in sogenannte „Besserungsanstalten“ gesteckt werden. Viele Kinder auch unter zehn Jahren fliehen aus äußerst schwierigen häuslichen Verhältnissen, aus Armut und Missbrauch. Straßenkinder sind immer in Gefahr wegen Bagatellen, kleinen Diebstählen, Herumlungern, Schnüffelns von Klebstoffen oder Aufgriff nach der Sperrstunde festgenommen zu werden. Zusätzlich verlieren sie die unterstützenden Strukturen von Familie und Gesellschaft. So geraten sie in einen Teufelskreis, weil sie hungrig sind, stehlen sie Lebensmittel und schnüffeln Klebstoff, um Hunger, Angst und ihre Ausweglosigkeit zu betäuben. In den "Besserungsanstalten" bekommen sie auch nicht genug zu essen, sind ohne medizinische Versorgung, ohne Betreuung und haben noch nicht einmal genug Platz zum schlafen. Die Zustände sind grauenhaft: Von Wärtern und älteren Jugendlichen werden sie misshandelt und missbraucht.

In diesen sogenannten „Besserungsanstalten oder Jugendzentren“ sitzen tausende Kinder. Straßenkinder, die wegen Bagatellen weggesperrt werden, haben keine Chance selbstständig freizukommen. Ohne juristische Grundlage bleiben sie monate-, mitunter jahrelang hinter Gittern. Die Haftbedingungen sind unmenschlich. Kinder unter zehn Jahren sitzen mit älteren Jugendlichen in überfüllten Zellen und werden somit leichte Beute sexueller Übergriffe.

Befreites Kind auf dem Weg zu PREDA

Pater Shay Cullen und sein Team besuchen die Kinder regelmäßig, sie bringen Lebensmittel und Kinderkleidung in die Gefängnisse und sorgen für medizinische Versorgung. Eine zweite Chance für diese Kinder bietet das PREDA Kinderschutz Zentrum. Befreite Kinder erfahren hier erstmals wieder Lebensfreude und Lebensperspektive. Sie besuchen die Schule und erhalten Therapien um ihre furchtbaren Erlebnisse zu verarbeiten. Um den befreiten Jungen umfassend und vor allem langfristig zu helfen, werden bei PREDA auch spezielle Alphabetisierungskurse und technische Berufsausbildungs-Workshops angeboten.

Das Strafmündigkeitsgesetz (ab 15 Jahre) R.A. Nr. 9344, wurde am 28. April 2006 von Präsident Gloria Macapagal Arroyo unterzeichnet.

Kinderrechte in der Agenda 2030: Im September 2015 haben die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) unterzeichnet. Auch die Philippinen. Das Abschlussdokument enthält 17 weltweit gültige Ziele, die verschiedene nationale Gegebenheiten, Möglichkeiten und Ebenen der Entwicklung berücksichtigen und die für alle Länder gleichermaßen gelten soll.

Die Philippinen sind Mitglied der Vereinten Nationen! Ungeachtet dessen hat das philippinische Abgeordnetenhaus kürzlich einem Gesetzentwurf zugestimmt, wonach künftig auch zwölfjährige Kinder inhaftiert werden dürfen! Der Senat wird Mitte Mai 2019 über das Gesetz abstimmen. Internationale Organisationen sind alarmiert und kämpfen massiv gegen das neue Gesetz und für Strafmündigkeit ab 15 Jahren, so wie es jetzt besteht. Ein früherer Entwurf sollte Strafmündigkeit auf neun Jahre herabsetzen. Dieses Vorhaben stieß allerdings bei Opposition und Menschenrechtsorganisationen auf Empörung und scheiterte schließlich. Verschiedene Kinderschutzorganisationen und auch der Tatort-Verein haben sich deshalb an philippinische Parlamentsabgeordnete und Minister gewandt, um gegen diese Initiative zu protestieren und ihre Besorgnis über die Situation der Kinderrechte auf den Philippinen auszudrücken.

Aber auch der neue Gesetzentwurf mit Strafmündigkeit ab zwölf Jahre steht in der Kritik. Dadurch würden Kinder nicht nur verstärkt stigmatisiert, sondern außerdem zu Sündenböcken einer missbräuchlichen Verbrechensbekämpfung der Regierung gemacht. Das geplante Gesetz ist "ein Akt der Gewalt gegen Kinder". Kernpunkt der Kritik ist, dass das Gesetz den UN-Kinderrechtskonvention widerspricht, die die Philippinen 1990 unterzeichnet haben. Anstatt sich gemäß der Konvention zum Schutz und zur besonderen Verantwortung gegenüber Kindern zu verpflichten, untergräbt und verhindert das Gesetzesvorhaben alle Bestrebungen für ein gerechtes und auf die Resozialisierung ausgerichtetes Strafrechtssystem.

Im Mittelpunkt aller aktuellen Bemühungen der Duterte Regierung stehen ausschließlich Bestrafung von Minderjährigen und nicht deren Resozialisation. Sollte es bei der Gesetzesänderung bleiben, werden in Zukunft noch jüngere Kinder unter katastrophalen Bedingungen in den sogenannten „Kinderheimen“ - nicht besser als Gefängnisse - ihre „Strafe“ verbüßen müssen. Sie werden Opfer physischer und psychischer Gewalt, Gesundheit und Wohlergehen wird kein Thema sein und Chancen auf Resozialisierung sind gleich null. Die Herabsetzung der Strafmündigkeit leistet keinen Beitrag zur Lösung der sozialen Probleme des Landes, in dem viele Menschen in bitterer Armut leben müssen.
Die Initiative gegen die Gesetzesänderung wird getragen von zahlreichen deutschen und internationalen Nichtregierungsorganisationen. Der Tatort-Verein hat sich an der Initiative beteiligt.

Die Philippinen haben 1990 die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Mit ihrer Unterschrift haben sich die Philippinen dazu verpflichtet, die Rechte der Kinder anzuerkennen und zu verwirklichen. Sie müssen der UN regelmäßige Berichte vorlegen, wie sie mit der Umsetzung der Kinderrechte vorankommen. Auf den Philippinen gibt es ausreichend nationalen Gesetze, die sich mit dem Schutz und den Rechten von Kindern befassen. Aber die Gesetze werden ignoriert und nicht umgesetzt.

Im philippinischen „Gesetz zum Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen" (Child and Youth Welfare Code of the Philippines) ist u.a. festgeschrieben, dass Kinder und Jugendliche das Recht auf eine angemessene Ernährung, Bildungsmöglichkeiten und Schutz vor Gewalt, Ausbeutung und Vernachlässigung haben. Das philippinische Kinderschutzgesetz (Special Child Protection Act) verbietet sogar die Verwahrung von Kindern hinter Gittern. Auch diesem Gesetz fehlt jegliche Umsetzung.

Kinderrechte werden auf den Philippinen zwar zunehmend thematisiert aber die Umsetzung ist allerdings angesichts der zahlreichen Inhaftierungen, Formen von Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung von KindernZukunftsmusik.

Die Philippinen sind laut Gesetz eine Demokratie, aber de facto eine Diktatur. Die EU darf eigentlich nicht weiter zusehen wie mit Kinderrechten trotz vorhandener Gesetze umgegangen wird.

 

 

Weitere Informationen unter:

RTL Reportage über Kinder hinter Gittern, gerettet von Shay Cullen

Radio-Beitrag von ERF Medien e. V.: Tatort-Kommissare unterstützen den „Vater der Gefängniskinder“