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20 Jahre Tatort – Straßen der Welt e.V.

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Aktueller Stand: Aufgrund der Corona-Pandemie wird die Wanderausstellung "Kinder hinter Gittern" bis auf Weiteres verschoben. Bei Interesse können Sie gerne Kontakt zu uns aufnehmen (kontakt@tatort-verein.org). Dann werden Sie zeitnah informiert! Vielen Dank für Ihr Verständnis.

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Appell von Father Shay am 17.04.2020: Befreiung der inhaftierten Kinder, bevor sie sterben

Kinder, die inhaftiert und gefoltert wurden.

Fr. Shay Cullen, 17 April 2020

Wir alle spüren die Einschränkung des Hausarrests durch die Coronavirus Beschränkungen, die nun erstmal auch so fortgesetzt werden sollen. Wir können nicht gehen, wohin wir wollen, also denken wir an die Gefangenen, die zu Unrecht jahrelang inhaftiert sind. Viele von ihnen sind politische Gefangene und Menschenrechtsaktivisten, die wie Tiere gefangen gehalten werden, wie die, die am meisten leiden - die Kinder hinter Gittern. Alle sind vom Coronavirus bedroht. Hier weiterlesen...

Philippinen - „Kinder hinter Gittern“ - Politische Gespräche im BMZ

Father Shay Cullen (l.) und Minister Dr. Gerd Müller

Die gemeinsam von uns und MISEREOR initiierte und durchgeführte Wanderausstellung und Kampagne wurde am 11. September 2019 in Berlin eröffnet.

Im Rahmen der Ausstellungseröffnung nutzten die Vertreter aller Organisationen die Zeit vor Ort, um dieses sehr wichtige Thema in den Blick der Politiker zu rücken. Hier mehr dazu...

Das ist die Realität

Die Lage vieler Kinder auf den Philippinen ist alarmierend. Es gilt ein Jugendrecht- und Schutzgesetz, das die Strafmündigkeit auf 15 Jahre festsetzt. Das heißt, philippinische Jugendliche, die 15 Jahren oder jünger sind, dürfen nicht verhaftet werden. Dieses Gesetz wird aber immer wieder umgangen und Kinder schon wegen Bagatelldelikten festgenommen - zum Beispiel wegen Herumlungerns, kleinen Diebstählen, Klebstoffschnüffeln.

Am häufigsten trifft es Jungen aus armen Familien. Sie haben die Schule verlassen, um Geld zu verdienen. Oft erleben Sie zu Hause häusliche Gewalt. Da ihre winzigen Behausungen in den Armutsvierteln überfüllt sind, verbringen die Kinder viel Zeit auf der Straße. Viele Kinder werden wegen kleinerer Diebstähle verhaftet. Aus Hunger stehlen sie Lebensmittel oder Dinge, dies sie schnell verkaufen können. Viele schnüffeln Klebstoff, um sich zu betäuben und kommen auch deswegen hinter Gittern.

Die Kinder landen in gefängnisähnlichen „Jugendstrafanstalten“. Oft werden sie dort monatelang, sogar jahrelang ohne Rechtsbeistand und ohne jede Hoffnung unter unmenschlichen Bedingungen inhaftiert.

„Jeder Tag ist ein Kampf ums Überleben in diesen Höllenlöchern. Die Kleinsten - 12, 13 und jünger - werden geschlagen, unterdrückt und sexuell missbraucht. Das ist die Realität, die die Politiker nicht sehen wollen.“, sagt Father Shay Cullen

Kinder im „Konflikt mit dem Gesetz“ sind die am meisten benachteiligte Randgruppe der Gesellschaft, schon bevor sie auf den Philippinen in sogenannte „Besserungsanstalten“ gesteckt werden. Viele Kinder auch unter zehn Jahren fliehen aus äußerst schwierigen häuslichen Verhältnissen, aus Armut und Missbrauch. Straßenkinder sind immer in Gefahr wegen Bagatellen, kleinen Diebstählen, Herumlungern, Schnüffelns von Klebstoffen oder Aufgriff nach der Sperrstunde festgenommen zu werden. Zusätzlich verlieren sie die unterstützenden Strukturen von Familie und Gesellschaft. So geraten sie in einen Teufelskreis, weil sie hungrig sind, stehlen sie Lebensmittel und schnüffeln Klebstoff, um Hunger, Angst und ihre Ausweglosigkeit zu betäuben. In den "Besserungsanstalten" bekommen sie auch nicht genug zu essen, sind ohne medizinische Versorgung, ohne Betreuung und haben noch nicht einmal genug Platz zum schlafen. Die Zustände sind grauenhaft: Von Wärtern und älteren Jugendlichen werden sie misshandelt und missbraucht.

In diesen sogenannten „Besserungsanstalten oder Jugendzentren“ sitzen tausende Kinder. Straßenkinder, die wegen Bagatellen weggesperrt werden, haben keine Chance selbstständig freizukommen. Ohne juristische Grundlage bleiben sie monate-, mitunter jahrelang hinter Gittern. Die Haftbedingungen sind unmenschlich. Kinder unter zehn Jahren sitzen mit älteren Jugendlichen in überfüllten Zellen und werden somit leichte Beute sexueller Übergriffe.

Befreites Kind auf dem Weg zu PREDA

Pater Shay Cullen und sein Team besuchen die Kinder regelmäßig, sie bringen Lebensmittel und Kinderkleidung in die Gefängnisse und sorgen für medizinische Versorgung. Eine zweite Chance für diese Kinder bietet das PREDA Kinderschutz Zentrum. Befreite Kinder erfahren hier erstmals wieder Lebensfreude und Lebensperspektive. Sie besuchen die Schule und erhalten Therapien um ihre furchtbaren Erlebnisse zu verarbeiten. Um den befreiten Jungen umfassend und vor allem langfristig zu helfen, werden bei PREDA auch spezielle Alphabetisierungskurse und technische Berufsausbildungs-Workshops angeboten.

Das Strafmündigkeitsgesetz (ab 15 Jahre) R.A. Nr. 9344, wurde am 28. April 2006 von Präsident Gloria Macapagal Arroyo unterzeichnet.

Kinderrechte in der Agenda 2030: Im September 2015 haben die 193 Mitgliedsstaaten der Vereinten Nationen die nachhaltigen Entwicklungsziele (SDGs) unterzeichnet. Auch die Philippinen. Das Abschlussdokument enthält 17 weltweit gültige Ziele, die verschiedene nationale Gegebenheiten, Möglichkeiten und Ebenen der Entwicklung berücksichtigen und die für alle Länder gleichermaßen gelten soll.

Die Philippinen sind Mitglied der Vereinten Nationen! Ungeachtet dessen hat das philippinische Abgeordnetenhaus kürzlich einem Gesetzentwurf zugestimmt, wonach künftig auch zwölfjährige Kinder inhaftiert werden dürfen! Der Senat wird Mitte Mai 2019 über das Gesetz abstimmen. Internationale Organisationen sind alarmiert und kämpfen massiv gegen das neue Gesetz und für Strafmündigkeit ab 15 Jahren, so wie es jetzt besteht. Ein früherer Entwurf sollte Strafmündigkeit auf neun Jahre herabsetzen. Dieses Vorhaben stieß allerdings bei Opposition und Menschenrechtsorganisationen auf Empörung und scheiterte schließlich. Verschiedene Kinderschutzorganisationen und auch der Tatort-Verein haben sich deshalb an philippinische Parlamentsabgeordnete und Minister gewandt, um gegen diese Initiative zu protestieren und ihre Besorgnis über die Situation der Kinderrechte auf den Philippinen auszudrücken.

Aber auch der neue Gesetzentwurf mit Strafmündigkeit ab zwölf Jahre steht in der Kritik. Dadurch würden Kinder nicht nur verstärkt stigmatisiert, sondern außerdem zu Sündenböcken einer missbräuchlichen Verbrechensbekämpfung der Regierung gemacht. Das geplante Gesetz ist "ein Akt der Gewalt gegen Kinder". Kernpunkt der Kritik ist, dass das Gesetz den UN-Kinderrechtskonvention widerspricht, die die Philippinen 1990 unterzeichnet haben. Anstatt sich gemäß der Konvention zum Schutz und zur besonderen Verantwortung gegenüber Kindern zu verpflichten, untergräbt und verhindert das Gesetzesvorhaben alle Bestrebungen für ein gerechtes und auf die Resozialisierung ausgerichtetes Strafrechtssystem.

Im Mittelpunkt aller aktuellen Bemühungen der Duterte Regierung stehen ausschließlich Bestrafung von Minderjährigen und nicht deren Resozialisation. Sollte es bei der Gesetzesänderung bleiben, werden in Zukunft noch jüngere Kinder unter katastrophalen Bedingungen in den sogenannten „Kinderheimen“ - nicht besser als Gefängnisse - ihre „Strafe“ verbüßen müssen. Sie werden Opfer physischer und psychischer Gewalt, Gesundheit und Wohlergehen wird kein Thema sein und Chancen auf Resozialisierung sind gleich null. Die Herabsetzung der Strafmündigkeit leistet keinen Beitrag zur Lösung der sozialen Probleme des Landes, in dem viele Menschen in bitterer Armut leben müssen.
Die Initiative gegen die Gesetzesänderung wird getragen von zahlreichen deutschen und internationalen Nichtregierungsorganisationen. Der Tatort-Verein hat sich an der Initiative beteiligt.

Die Philippinen haben 1990 die UN-Kinderrechtskonvention unterzeichnet. Mit ihrer Unterschrift haben sich die Philippinen dazu verpflichtet, die Rechte der Kinder anzuerkennen und zu verwirklichen. Sie müssen der UN regelmäßige Berichte vorlegen, wie sie mit der Umsetzung der Kinderrechte vorankommen. Auf den Philippinen gibt es ausreichend nationalen Gesetze, die sich mit dem Schutz und den Rechten von Kindern befassen. Aber die Gesetze werden ignoriert und nicht umgesetzt.

Im philippinischen „Gesetz zum Wohlergehen von Kindern und Jugendlichen" (Child and Youth Welfare Code of the Philippines) ist u.a. festgeschrieben, dass Kinder und Jugendliche das Recht auf eine angemessene Ernährung, Bildungsmöglichkeiten und Schutz vor Gewalt, Ausbeutung und Vernachlässigung haben. Das philippinische Kinderschutzgesetz (Special Child Protection Act) verbietet sogar die Verwahrung von Kindern hinter Gittern. Auch diesem Gesetz fehlt jegliche Umsetzung.

Kinderrechte werden auf den Philippinen zwar zunehmend thematisiert aber die Umsetzung ist allerdings angesichts der zahlreichen Inhaftierungen, Formen von Missbrauch, Vernachlässigung und Ausbeutung von KindernZukunftsmusik.

Die Philippinen sind laut Gesetz eine Demokratie, aber de facto eine Diktatur. Die EU darf eigentlich nicht weiter zusehen wie mit Kinderrechten trotz vorhandener Gesetze umgegangen wird.

 

 

Weitere Informationen unter:

RTL Reportage über Kinder hinter Gittern, gerettet von Shay Cullen

Radio-Beitrag von ERF Medien e. V.: Tatort-Kommissare unterstützen den „Vater der Gefängniskinder“